Wieder ein Naturprodukt, das in der Wellness Community hohe Wellen schlägt und jede Menge Benefits für deine Gesundheit verspricht: Shilajit. Das Naturharz soll bei 400 gesundheitlichen Problemen helfen. Doch was ist dran, an dem Hype um das “schwarze Gold des Himalayas”?
In der ayurvedischen Heilkunde gilt Shilajit schon seit Jahrtausenden als Heilmittel. Als „Rasayana“ („Verjüngungsmittel“) soll es Körper und Geist regenerieren und energetisieren.
Damit du einschätzen kannst, ob Shilajit auch deine Health-Routine sinnvoll ergänzen kann, haben wir dir die wichtigsten Facts zu Verwendung, Dosierung und Nebenwirkungen zusammengefasst – und die harzartige Substanz gründlich unter die Lupe genommen.
Shilajit ist eine tiefbraune bis schwarze, harzartige Substanz aus den Hochgebirgen Asiens, genauer gesagt aus dem Himalaya, dem Kaukasus und dem Altai-Gebirge.
In deren Felsspalten haben sich im Laufe von Jahrtausenden Pflanzenreste angesammelt. Diese wurden mithilfe von Mikroorganismen fermentiert und unter dem Druck der Gesteine mineralisiert und zu einem Naturharz gepresst. Dieses sickert heute als Shilajit aus den Felsspalten und hat eine zähe Konsistenz.
Shilajit besteht aus über 80 Mineralien und Spurenelementen, bioaktiven Pflanzenstoffen (Dibenzo-α-Pyrone) und zu 80 Prozent aus Fulvinsäure und Huminsäure.
Fulvinsäure ist ein natürlicher organischer Säurekomplex aus Humus, der unzählige Mineralien (u.a. Eisen, Magnesium, Kalzium, Zink, Silizium, Kalium), Antioxidantien und Aminosäuren enthält. Aufgrund seiner antioxidativen und antientzündlichen Eigenschaften ist die Fulvinsäure der bioaktivste Stoff in Shilajit, nachdem sich auch der Wirkungsgrad richtet.
Und woher stammt der kryptische Name? Ganz einfach: Shilajit – oft auch als Mumijo bezeichnet – kommt aus dem Sanskrit. “Shila” heisst Berge/Gebirge, “Jit” heißt übersetzt Eroberer – Shilajit ist also der “Eroberer der Berge und Zerstörer der Schwäche” und soll für die Lebenskraft und Energie stehen, die es dir verleihen kann.
Immer wenn ein neues Supplement am Health-Himmel auftaucht, ist der Hype um seine Benefits für Körper und Geist groß. So auch bei Shilajit: Es gibt viele Versprechen, doch nicht alle sind mit (ausreichend) klinischen Studien belegt.
Um dir einen klaren und ehrlichen Überblick zu verschaffen, haben wir dir die bisher bewiesenen, potenziellen Wirkungen von Shilajit zusammengefasst:
Du fühlst dich energielos? Dann könnte dich Shilajit aus deinem Energietief holen und dein Wohlbefinden steigern. Denn seine Fulvinsäure ist ein negativ geladenes, organisches Molekül, das positiv geladene Ionen (z.B. Mineralien) binden und durch die Zellmembran ins Zellinnere schleusen kann.
Fulvinsäure wirkt quasi wie ein biologisches Transportmittel und kann dadurch die Aufnahme von Mineralstoffen wie Zink, Magnesium & Co in die Zellen erhöhen und so die ATP-Produktion in den Mitochondrien steigern. Das wirkt wie ein Booster für die “Kraftwerke der Zellen”, der den Energiefluss auf zellulärer Ebene verbessert.
Diese verbesserte Mitochondrienfunktion kann Energielosigkeit reduzieren und die Leistungsfähigkeit und Ausdauer beim Sport verbessern. Das ist eine Wohltat bei chronischer Müdigkeit oder körperlicher Belastung.[1]
Shilajit liefert dir über 80 Mineralstoffe und Spurenelemente in ionischer Form. Diese mineralische Zusammensetzung deckt ein sehr breites Spektrum ab und kann dank der Transportfunktion der Fulvinsäure direkt in die Zellen gelangen. Experten sprechen hier von einem “Bioverfügbarkeits-Verstärker”.
Leidest du unter einer “Silent Inflammation” oder merkst du, dass kleine Verletzungen schlechter abheilen? Die in Shilajit enthaltene Fulvinsäure kann freie Radikale im Körper neutralisieren und so entzündungshemmend und zellschützend wirken. Das ist übrigens auch eine wichtige Eigenschaft, wenn es um das Thema gesundes Altern geht.
Shilajit kann über die Hypothalamus-Hypophysen-Achse bei Männern die natürliche Testosteronproduktion stimulieren. Eine Studie belegt, dass das gehypte Harz das freie Testosteron nach einer achtwöchigen Einnahme erhöhen kann.[2]
Es gibt auch eine kleine Studie, die vermuten lässt, dass Shilajit die Spermienproduktion fördern kann. Sowohl die Spermienkonzentration, als auch die Gesamtzahl der Spermien stiegen darin nach 90-tägiger Shilajit-Einnahme bei unfruchtbaren Männern an. Genauso soll Shilajit die Libido erhöhen. Für verlässliche Aussagen sind hier aber weitere Studien nötig. [3]
Du hast Schwierigkeiten, dich zu fokussieren oder dir etwas zu merken? Dann könnte Shilajit dein smarter Brain-Booster werden:
Einige Studien zeigen, dass die Fulvinsäure und die Dibenzo-α-Pyrone in Shilajit neuroprotektive Effekte haben könnten. Die antioxidativen Eigenschaften der Dibenzo-α-Pyrone sollen außerdem die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen fördern, die Gehirnzellen vor oxidativem Stress schützen und Schäden in den Nerven reparieren.
Shilajit hat damit das Potential, deine kognitive Leistungsfähigkeit zu erhöhen – dadurch kannst du dich besser konzentrieren, bist aufmerksamer und hast ein besseres Gedächtnis.
Es gibt sogar die Vermutung, dass die Fulvinsäure Alzheimer vorbeugen oder dessen Verlauf verlangsamen kann, indem sie die sogenannten Tau-Proteine im Gehirn vor dem Verklumpen schützt – hier mangelt es aber noch an klinischen Studien. [4]
Spannend für alle Sportler*innen, die am liebsten täglich die Hantel schwingen: Der “Schatz der Berge” kann die Regeneration der Muskeln verbessern. Die Erklärung liegt in seiner antioxidativen, entzündungshemmenden Wirkung, die Mikroverletzungen im Muskel leichter heilen lassen kann. [5]
Das betrifft vor allem Frauen in der Menopause, denn hier sinkt mit dem Östrogenspiegel auch die Knochendichte. Vielversprechende Studien deuten darauf hin, dass die Einnahme von Shilajit die Knochendichte in dieser Zeit verbessern kann, indem es die Kollagenbildung, die Knochenmineralisation und die Aktivität der Osteoblastenaktivität (Knochenaufbau-Zellen) anregt. Osteoporose kann damit vorgebeugt werden. [6]
Shilajit zählt, genau wie Ashwagandha oder Ginseng, zu den Adaptogenen. Es kann deinem Körper helfen, besser mit Stress umzugehen – und das Level der Stresshormone (z.B. Cortisol) im Körper zu senken.
Detox-Fans aufgepasst: Die in Shilajit enthaltene Huminsäure kann helfen, den Darm zu schützen und die Entgiftung anzuregen, indem sie als Bindemittel für Toxine wirkt. Sie kann toxische Stoffwechselprodukte, Schwermetalle und Rückstände binden und die Darmwand vor Entzündungen schützen. Die Fulvinsäure kann außerdem die Entgiftung über die Nieren fördern.
Die ursprünglichste Form von Shilajit erinnert an Harz. Neben dieser zähflüssigen Form gibt es aber noch weitere Darreichungsformen.
Folgende Shilajit-Formen stehen dir zur Auswahl:
Bei Naturprodukten können Qualität und Reinheit stark variieren, deshalb sind die folgenden zwei Faktoren für deinen Shilajit-Kauf essentiell:
Standardisierung
Je nach geographischem Ursprung kann sich die genaue Zusammensetzung von Shilajit unterscheiden, deshalb ist es wichtig, dass dein Produkt standardisiert und gereinigt ist. Bedeutet: Der Hersteller garantiert, dass jede Charge seines Produkts denselben Gehalt an Wirkstoffen enthält. Nur so weißt du, wie viel an Wirkstoffen du wirklich eingenommen hast.
Bei Shilajit geht es meist um die Standardisierung des Fulvinsäure-Gehalts, aber auch um die Standardisierung von Dibenzopyronen (DBPs, DCPs), Mineralien und Spurenelementen. Die Standardisierung von Fulvinsäure sollte immer bei mindestens 20 Prozent liegen. Spannend: Je höher in Studien der Fulvinsäure-Gehalt eines Produktes war, desto höher war auch seine belegte Wirksamkeit. Viele klinische Studien nutzen dabei das patentierte Produkt „PrimaVie®“, das tandardisiert auf ≥ 50 Prozent Fulvinsäure und ≥ 10,3 Prozent DBPs/DCPs ist.
Reinheit
Rohes oder schlecht aufbereitetes Shilajit kann Schwermetalle (z.B. Blei, Quecksilber, Arsen)[7], Schimmelgifte (Mykotoxine), mikrobielle Verunreinigungen oder synthetische Zusätze enthalten. All diese Stoffe können deine Gesundheit gefährden. Deshalb sollte dein Shilajit immer gereinigt und laborgeprüft sein – idealerweise hat es ein gutes Schadstoff-Zertifikat oder einen Analysebericht.
Wann sollte ich Shilajit einnehmen?
Es gibt keine strengen Regeln, aufgrund des Energie-Booster-Effekts solltest du dein Shilajit aber morgens einnehmen. Erfolgt die Einnahme auf nüchternen Magen, kann dein Körper die wertvollen Stoffe schneller aufnehmen. Bei einem empfindlichen Magen empfiehlt sich die Einnahme zu oder nach dem Essen.
Welche Dosierung von Shilajit ist die richtige?
Die klassische Dosierung liegt bei 250 bis 500 Milligramm Shilajit pro Tag. Verträgst du das Mittel gut, kannst du dich nach ein paar Tagen oder Wochen bis auf zweimal täglich 500 Milligramm steigern. Das kannst du auch immer dann machen, wenn größere körperliche Belastungen (z.B. Marathon, Langstreckenflug) anstehen. Um eine Überdosierung zu vermeiden, machst du das aber nur unter ärztlicher Aufsicht.
Wie lange sollte ich Shilajit einnehmen?
Eine kurartige Einnahme von 8-12 Wochen ist ideal. Nach diesem Intervall solltest du eine Shilajit-Pause von zwei bis vier Wochen einlegen.
Wie nehme ich Shilajit am besten ein?
Wenn du eine ganzheitliche Wirkung spüren möchtest und Shilajit optimal vom Blut aufgenommen werden soll, dann nimmst du das NEM am besten mit einer kleinen Menge an gesättigtem Fett ein, das kann ein Löffel MCT-Öl sein oder ein Löffel Ghee. Hast du aber Probleme mit der Verdauung, ist es ratsamer, Shilajit direkt nach dem Essen einzunehmen.
Wie lange dauert es, bis ich die Wirkung von Shilajit spüre?
Da hängt davon ab, wie gesund du sonst lebst. Viele spüren die Effekte schon nach wenigen Wochen. Du solltest dem Ganzen aber erstmal drei Monate Zeit geben. Denn ganzheitlich wirksame Dinge brauchen ihre Zeit.
Bestimmt fragst du dich jetzt, ob die Einnahme von Shilajit bedenklich ist. Die Antwort darauf lautet: Nein, insofern du gereinigte und standardisierte Produkte verwendest. Bei einer Einnahme von 250 bis 500 Milligramm Shilajit pro Tag besteht kein Risiko für Nebenwirkungen.
Folgende, seltene Nebenwirkungen sind bekannt:
Ganz klar: Schwangere und Stillende sollten auf NEMs wie Shilajit verzichten, da es für diese besonderen Umstände zu wenige Untersuchungen gibt.
Bei hormonellen Problemen oder bei einer Hormontherapie solltest du vor der Einnahme mit deinem Arzt sprechen, da es durch Shilajit zu Hormon-Verschiebungen kommen kann.
Ist dein Harnsäurespiegel bereits erhöht, leidest du an Gicht oder hast Nierenprobleme, solltest du ebenfalls kein Shilajit einnehmen.
Auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen solltest du zuerst mit deinem Arzt sprechen, da es hier zu Wechselwirkungen mit den Medikamenten kommen kann (z.B. Blutverdünner, Immunsuppressiva, Diabetes-Medikamente).
Bei Shilajit trifft uraltes Wissen auf moderne Wissenschaft, immer mehr traditionelle ayurvedische Heilmittel werden durch die Forschung[8] gestützt. Das ist eine mega Entwicklung.
Einige Studien sind vielversprechend, aber noch nicht ausreichend. In den bisher veröffentlichten Studien wurden jeweils unterschiedliche Dosierungen für unterschiedliche Zielgruppen verwendet – bisher wurde keine optimale Dosierung definiert.
Die meisten klinischen Studien waren klein und gingen meist nicht länger als 90 Tage – es gibt daher keine aussagekräftigen Daten über die Wirkung einer langfristigen Shilajit-Einnahme.
Du möchtest wissen, ob das ayurvedische Heilmittel auch dein Wohlbefinden steigern kann? Dann probiere es einfach aus – bei der empfohlenen Dosis sind keine Nebenwirkungen zu erwarten.
Aber denk daran: Eine ärztliche Rücksprache ist nicht nötig, ein qualitativ hochwertiges Produkt mit Standardisierung und Reinigungszertifikat dagegen ist Pflicht.
[1] https://pharmacologyonline.silae.it/files/archives/2009/vol1/083.Sauryya.pdf
[2] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26395129/
[3] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20078516/
[4] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37513872/
[5] https://jissn.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12970-019-0270-2
[6] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35933897/
[7] https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/schwer-gefaehrlich-giftige-schwermetalle-13363
[8] https://www.ijbcp.com/index.php/ijbcp/article/view/5961
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