Es ist immer wieder Smalltalk-Thema und bestimmt kennst du auch jemanden, bei dem Intervallfasten zur täglichen Health-Routine zählt. Die einen fasten eher in der ersten Tageshälfte, die anderen eher abends, manche fasten einen ganzen Tag. Es gibt sogar kaum eine*n Longevity-Forscher*in, der/die nicht selbst regelmäßig fastet.
Denn das Intervallfasten, auch “intermittierendes Fasten” genannt, soll sich positiv auf deine Gesundheit auswirken, beim Abnehmen helfen und sogar Alterungsprozesse verlangsamen.
Aktuelle Umfragen bestätigen, dass Fasten im Trend liegt: Laut einer repräsentativen Studie der DAK-Gesundheit[1] hat bereits rund jeder Siebte in Deutschland bewusst gefastet und die Mehrheit der Bevölkerung schätzt zeitlich begrenzte Ernährungsformen als gesundheitlich sinnvoll ein.
Was ist Intervallfasten?Intervallfasten (IF) beschreibt den rhythmischen Wechsel zwischen Nicht-Essen-Phasen und Essensphasen. Gegessen wird, was du möchtest, in den Fastenfenstern gibt es aber nur Wasser, ungesüßten Tee und schwarzen Kaffee.
Über die genaue Länge der Fastenphasen entscheidest du selbst, sie sollten aber idealerweise zwischen 12 und 24 Stunden dauern.
Intervallfasten hat übrigens nichts mit traditionellen, längeren Fastenkuren wie Heil- oder Saftfasten zu tun.
Hier wird es chemisch, es ist aber wichtig, diesen Mechanismus zu verstehen: Bekommt dein Körper in der Fastenphase keine Nahrung und dadurch keine Glukose (Zucker) mehr geliefert, sinkt der Insulinspiegel im Blut. Dein Organismus greift dann auf die Glukose-Speicher in Muskeln und Leber zurück. Sind sie leer, beginnt dein Körper, freie Fettsäuren zu Ketonkörpern zu verstoffwechseln und diese zum Energiegewinn abzubauen. Man spricht hier vom Fettstoffwechsel.
Bleibt der Insulinspiegel dauerhaft niedrig, wird die sogenannte Autophagie aktiviert – das ist ein körpereigener Recycling-Prozess und der Vorgang, für den das Intervallfasten so gehyped wird. Dabei baut der Körper beschädigte Zellbestandteile ab und erneuert sie, was für die Zellen wie eine natürliche „Verjüngungskur“ wirkt.
Da der Körper bei regelmäßiger Nahrungszufuhr ständig mit der Glukoseverarbeitung beschäftigt ist, kommt dieser Prozess im Alltag häufig zu kurz. Erst durch die Fastenphasen kann sich der Organismus vollständig auf die Autophagie konzentrieren und Zellmüll effektiv abbauen.
Nein, wie Intervallfasten auf deinen Körper wirkt, ist super individuell. Der größte Unterschied liegt zwischen den Geschlechtern, denn die meisten Studien zu den Vorteilen des Fastens wurden an Männern durchgeführt. Frauen haben aber einen anderen Stoffwechsel und einen komplexeren Hormonhaushalt, weshalb nicht jede Fastenmethode für sie geeignet ist.[2]
Denn die weiblichen Hormone, die wichtige Funktionen wie Eisprung, Stoffwechsel und Stimmung regulieren, reagieren super sensibel auf die Energiezufuhr. Bekommt der Körper über längere Zeit zu wenig Energie, kann es zu hormonellen Störungen kommen.
Eine hormonfreundliche Variante ist das 16:8-Modell mit 16 Stunden Fasten und einem 8-stündigen Essensfenster (siehe Tabelle unten). Wenn du längere Fastenintervalle gut verträgst, kannst du sie natürlich beibehalten.
Die Wirkung des Intervallfastens hängt noch von weiteren Faktoren ab, etwa von der Zusammensetzung deiner letzten Mahlzeit oder davon, ob und welchen Sport du danach noch gemacht hast. Forscher vermuten, dass die Zuckerspeicher bei Frauen nach circa 14 Stunden und bei Männern nach etwa 16 Stunden so weit abgesunken sind, dass der Körper verstärkt auf Fettstoffwechsel umschaltet.
Die komplette Umstellung erfolgt erst nach 24 bis 48 Stunden – beim Intervallfasten tauchst du also immer nur kurz in diesen Stoffwechselmodus ein. Fastest du aber regelmäßig, soll genau dieses wiederholte Fasten-Microdosing positive Effekte haben.
Intervallfasten hat viele gesundheitliche Vorteile, die es zu einem mega spannenden Health-Tool machen:
Intervallfasten kann auch einen positiven Einfluss auf kardiovaskuläre Risikofaktoren[4], wie einen hohen Blutdruck oder hohe Blutfettwerte haben. Wird keine Energie für den Darm gebraucht, steigt die Durchblutung aller anderen Organe und sie werden besser mit Sauerstoff und Energie versorgt.
Wenn du das Intervallfasten sinnvoll und auf deinen Körper und dein Befinden abgestimmt in deinen Alltag integrierst, hat es keine Nachteile. Wendest du es falsch an, können folgende Nachteile auftreten:
Tatsächlich gibt es ein paar Personengruppen, die auf Intervallfasten verzichten sollten. Dazu zählen Schwangere, Stillende, Kinder und Jugendliche und Menschen mit bestimmten Stoffwechsel-oder Hormonerkrankungen.
Wichtig: Auch wenn du unter einer Essstörung leidest, egal ob in der Vergangenheit oder aktuell, ist Intervallfasten nicht das richtige für dich. Es funktioniert nur, wenn du ein gesundes Verhältnis zum Essen hast und nicht dazu neigst, zu wenig oder zu viel zu essen.
Welche Intervallfasten-Methode ist die richtige für mich?
Damit du leichter herausfinden kannst, welche Intervallfasten-Methode für dich in Frage kommt, haben wir dir eine Übersicht zusammengefasst. Das Entspannte an allen Modellen: Für die Essensphasen gibt es – außer bei der 5:2-Methode – keine Beschränkungen. Natürlich sollte die Ernährung ausgewogen sein, nicht zu üppig und nicht zu wenig. Die perfekte letzte Mahlzeit vor dem Fastenfenster sollte dich ausreichend sättigen – idealerweise hauptsächlich durch Nahrungsmittel pflanzlichen Ursprungs.
Das alltagstaugliche Anfängermodell lautet 16:8. Auf täglich 16 Stunden Fasten
folgt ein achtstündiges Essensfenster. Als Newbie startest du mit 12:12, also 12 Stunden essen, 12 Stunden fasten, und nehmen – je nach Gefühl – allmählich eine halbe oder ganze Fastenstunde dazu. So gelingt dein Weg übers 14:10-Modell zu 16 Stunden Nahrungsverzicht ganz easy.
Beispiel: Fasten von 18 bis 10 Uhr oder 20 bis 12 Uhr. Je eher du am Nachmittag mit deinem Fastenfenster beginnst, desto effektiver.
Bei der 5:2-Methode fastest du tageweise: An fünf Tagen pro Woche isst
du wie gewohnt. An zwei Tagen beschränkst du deine Nahrungsaufnahme als Frau auf 500 bis 600 Kilokalorien, als Mann auf 600 bis 700 Kilokalorien – verteilt auf eine oder mehrere Mahlzeiten. Die Fastentage sollten nicht aufeinander folgen und ihren festen Platz in der Woche haben, gut eignen sich Werktage wie Montag und Donnerstag.
Das Prinzip Eat-Stop-Eat trifft auf alle IF-Methoden zu, hier ist der Stop aber extralang: Ein oder zweimal pro Woche solltest du 24 Stunden am Stück fasten. Dazwischen muss immer mindestens ein Tag mit normaler Nahrungsaufnahme liegen.
Am einfachsten ist es, mit dem „Stop“ nach einem frühen Abendessen zu starten und am Abend darauf wieder mit dem Dinner ins „Eat“ zu wechseln. Laut aktueller Studienlage ist das „Early Time Restricted Eating“ ohnehin am sinnvollsten. Heißt: Die Fasten-Benefits sind größer, je eher am Abend du mit dem Fasten beginnst – 18 Uhr wäre optimal.
Denn viele, die am Folgetag zu spät mit der ersten Mahlzeit beginnen, neigen dazu, anschließend mehr zu essen. Und bitte viel trinken!
Hier fastest du jeden zweiten Tag. In den Fastenphasen isst du entweder 24
Stunden lang gar nichts, oder du isst einfach weniger als an einem normalen
Tag. Im Idealfall liegt deine Energiezufuhr an den Fastentagen bei maximal 25 Prozent deiner sonst üblichen Energiemenge.
An den fastenfreien Tagen gibt es keine Beschränkungen, deine Ernährung sollte aber natürlich ausgewogen sein.
Hast du keine Probleme mit langen Fastenintervallen und großen Mahlzeiten, könnte OMAD dir den Rhythmus vorgeben. OMAD steht für „One Meal A Day“, denn gegessen wird hier nur einmal am Tag. Das Fastenfenster dauert demnach 23 Stunden. Wichtig: Mit dieser Mahlzeit muss dein Nährstoff- und Kaloriengehalt für den ganzen Tag gedeckt werden. Diese Methode ist ziemlich tough!
Tipp:
Gegen Ende des Fastenintervalls soll Sport ein wahrer Autophagie-Booster[5] sein. Genauso wie Kaffee. Aber bitte schwarz oder in der Bulletproof-Variante. Und sollte dich doch mal der kleine Fasten-Hunger überkommen, kann das Schlürfen von grünem Tee mit einem Schuss Apfelessig helfen. Cheers!
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